Glossar

KI-Agent

Ein KI-Agent ist ein Programm, das ein Ziel entgegennimmt, die nötigen Zwischenschritte selbst festlegt und dabei Werkzeuge wie Suche, Datenbanken oder andere Programme aufruft. Der Unterschied zum Chatbot liegt nicht in der Sprachfähigkeit, sondern darin, dass er handelt statt nur zu antworten.

Was ein KI-Agent tatsächlich tut

Ein Sprachmodell allein erzeugt Text. Ein Agent bekommt zusätzlich zwei Dinge: Werkzeuge, die er aufrufen kann, und eine Schleife, in der er nach jedem Schritt prüft, ob das Ziel erreicht ist. Aus „schreib mir eine Antwort" wird dadurch „finde heraus, was hier gilt, und erledige es".

Ein Beispiel aus dem Alltag: Eine Rechnung kommt per Mail herein. Ein fester Ablauf würde sie nach einer starren Regel ablegen. Ein Agent liest sie, sucht die zugehörige Bestellung im System, bemerkt eine Abweichung beim Betrag, legt den Fall zur Prüfung vor und schreibt dazu, worin die Abweichung besteht. Die Zwischenschritte standen nirgends geschrieben.

Wo der Einsatz sich rechnet und wo nicht

Agenten lohnen sich, wenn ein Vorgang viele Ausnahmen kennt. Genau dort scheitert die klassische Automatisierung: Jede Ausnahme braucht eine eigene Regel, und irgendwann pflegt niemand mehr das Regelwerk.

Sie lohnen sich nicht bei Abläufen, die immer gleich sind. Wer täglich dieselben Daten von A nach B schiebt, bekommt mit einer festen Automatisierung das bessere Ergebnis: schneller, billiger, und im Fehlerfall nachvollziehbar. Ein Agent, der eine Aufgabe erledigt, die auch eine Regel erledigt hätte, ist teurer Zufall.

Die zweite Grenze ist die Nachvollziehbarkeit. Wo eine Entscheidung begründet werden muss, etwa gegenüber einer Prüfung, ist ein selbst gewählter Lösungsweg ein Nachteil. Dann braucht es entweder feste Abläufe oder eine Protokollierung jedes Schritts.

Was der Einsatz voraussetzt

Drei Dinge, bevor der erste Agent produktiv geht:

  1. Erreichbare Systeme. Ein Agent ist nur so nützlich wie die Schnittstellen, die er bedienen darf. Wo alles nur über Oberflächen läuft, wird es zäh.
  2. Eine klare Grenze. Was darf er selbst entscheiden, wo legt er vor? Diese Grenze gehört vor den ersten Einsatz festgelegt, nicht danach.
  3. Ein messbarer Fall. Ohne Ausgangswert lässt sich hinterher nicht sagen, ob es etwas gebracht hat.

Nicht zu verwechseln mit

Chatbot
Antwortet auf eine Frage und ist danach fertig. Ein Agent verfolgt ein Ziel über mehrere Schritte und entscheidet unterwegs, was als Nächstes nötig ist.
Prozessautomatisierung
Führt einen vorher festgelegten Ablauf immer gleich aus. Ein Agent legt den Ablauf im Rahmen seines Auftrags selbst fest. Für stabile, gleichförmige Abläufe ist die klassische Automatisierung schneller, billiger und besser nachvollziehbar.
RPA
Bedient bestehende Oberflächen wie ein Mensch, klickt also Masken durch. Agenten arbeiten über Schnittstellen statt über die Oberfläche. RPA ist in den vergangenen zwölf Monaten deutlich zurückgegangen.

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